Boot in einer Gracht in Amsterdam
Boot in einer Gracht in Amsterdam

Wer einmal aufmerksam durch eine holländische Stadt gegangen ist und den Blick schweifen lässt, dem fallen ein paar Unterschiede zwischen Deutschland und Holland direkt ins Auge. Wir haben die Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland gesucht – und auch ein paar Gemeinsamkeiten gefunden.

Architektur und Bauweise

  • Die meisten Fenster an niederländischen Häusern gehen nach außen auf. Die eine oder andere Terrassen-Tür tut das auch. Das ist für uns Deutsche ungewohnt, spart aber einfach Platz.
  • Gardinen fehlen nicht selten in den Fenstern in holländischen Häusern – für Besucher recht interessant – oft kann man direkt in das Wohnzimmer der Nachbarn schauen. Das hat weniger mit einer vermeintlichen Gardinensteuer zu tun (die es nie gab). Vielmehr ist die Abwesenheit von Stoff am Fenster ein Zeichen der kalvinistischen Offenheit der Niederländer, … schließlich hat man ja selbst nichts zu verbergen.
  • Keller fehlen oft ganz – für Reisende aus Küstenregionen nicht weiter verwunderlich. Ist doch der Grundwasserspiegel zu hoch, um zu vernünftigen Kosten einen Keller zu errichten. Wer aus Süddeutschland anreist und meist nur Häuser mit Kellern kennt, vermisst ihn zwangsläufig.
  • Den Sand gibt es nicht nur am Strand sondern oft auch viele Kilometer im Hinterland – oft in Waldgebieten, die weit von der Küste entfernt sind.
  • Die Bauweise ist oft ähnlich wie in Norddeutschland – Backsteine prägen die Bauweise an der Fassade.
Backsteinhäuser an einer Gracht in Amsterdam
Backsteinhäuser an einer Gracht in Amsterdam

Landschaft

Die Niederlande liegen zu einem erheblichen Teil unter Wasser – zumindest unter dem Wasserspiegel der Nordsee. Daher durchziehen ungezählte Kanäle das Land. Sie haben dort vor allem die Funktion, das Land drum herum zu entwässern und damit mehr Landfläche nutzbar zu machen.

In vielen Städten wie etwa Amsterdam oder Middelburgh kann man auf den Kanälen (bzw. Grachten – wie die Wasserwege in Amsterdam heißen) als Tourist die jeweilige Stadt bequem vom Wasser aus erkunden.

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Übrigens: Die Windmühlen, die man an vielen Stellen noch sieht, waren in der Regel als Pumpen gedacht, die das Wasser aus den Kanälen weg befördern. Mittlerweile übernehmen elektrische Pumpen und Hebewerke diese Funktion.

Eine Windmühle in Holland
Eine Windmühle in Holland

Da man die Kanäle auch gut zum Transport von Waren verwenden kann, findet auf den Wasserstraßen natürlich auch ein reger Boots- und Schiffsverkehr statt. So muss man in den Niederlanden nicht aufs offene Meer, um Surfen oder Segeln zu gehen. Segeln und surfen kann man z.B. auf dem Ijselmeer oder einem der vielen Binnenseen.

Die Nordsee, die Holland von der Meerseite her umgibt, ist Freund und Feind der Holländer zugleich. Vor allem im Südosten und entlang der Küstenlinie kam es in den vergangenen Jahrhunderten in Folge von Sturmfluten immer wieder zu Deichbrüchen und Überschwemmungen.

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In Folge dessen wurden an vielen Stellen Polder errichtet,  die Deiche erhöht und die Strände verbreitert. Letzteres war in Holland umstritten. Es wurde aber dennoch konsequent durchgeführt. Nicht zuletzt um die Bevölkerung vor den Folgen von Sturmfluten und Klimawandel besser zu schützen.

Für den Urlauber hat das die angenehme Folge, dass vor allem im Süden der Niederlande die Strände sehr groß sind und damit für viele Aktivitäten am Wasser viel Platz bieten.

Insgesamt sind die Niederlande geographisch gesehen eher flach. Die höchste Erhebung Hollands der Vaalserberg in der Nähe von Limburg hat gerade einmal etwas mehr als 300 Meter Höhe und liegt im äußersten Südwesten in der Nähe zu Aachen.

An der Küste sind daher die Leuchttürme oft die markantesten Erhebungen.

Mit dem Hund an den Strand - in Holland kein Problem
Mit dem Hund an den Strand – in Holland kein Problem

A propos Küste und Strand: In den Niederlanden ist es an vielen Stellen erlaubt, mit dem Hund an den Strand zu gehen. An manchen Stellen sogar ohne Leine. Das ist am Mittelmeer undenkbar und selbst im Nachbarland Belgien oft nicht erlaubt.

Essen und Trinken

Was wären die Niederlande ohne Frikandel, Bitterballen, Pommes, Appeltaart, Vla oder Poffertjes? Das sind die bekanntesten kulinarischen Leckerbissen aus Holland:

Herzhaft:

  • Frikandel, eine in Öl fritierte Wurst, die meist mit Mayonaise und Ketchup sowie ein paar rohen Zwiebel gegessen wird. Ungesund aber lecker – am besten gleich eine „Frikandel spezial“ bestellen.

    Typischer holländischer Snack: Die Frikandel
    Typischer holländischer Snack: Die Frikandel
  • Bitterballen sind kleine herzhafte Hackfleischbällchen
  • Fisch & Muscheln – alles was aus dem Meer kommt, schmeckt vor allem in den Küstenstädtchen doppelt gut.
  • Die Niederlande hatten vom 17 Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem im heutigen Indonesien Kolonien. Dies merkt man heute noch in der Küche. Viele asiatische Gerichte – oft mit Erdnussgeschmack – kommen aus dem heutigen Indonesien und gehören zur Speisekarte der Niederlande einfach mit dazu.

Süße Sachen

Vor allem für Kinder bietet die holländische Küche eine Menge an süßen Gerichten und Nachtisch, die man aber guten Gewissens eigentlich zu jeder Tageszeit genießen kann.

  • Vla ist eine Art flüssiger Pudding, der nicht nur Kindern schmeckt. Gibt es in jedem Supermarkt wie Milch zu kaufen. Mittlerweile kann man Vla nicht nur in Schoko und Vanille-Geschmacksrichtung genießen. Von Erbeer-Vla über Karamellgeschmack bis hin zu exotischeren Kombinationen.
  • Appeltaart – warmer Apfelkuchen, meist mit etwas Sahne oder noch besser einer Kugel Vanille-Eis. Sehr lecker. Jedes Restaurant scheint sein eigenes Rezept zu haben. Vor allem für Familien mit Kindern kann es ein nettes Vergnügen im Holland-Urlaub sein, den leckersten Appeltaart im Urlaubsort zu finden und natürlich alles auszuprobieren.
    Übrigens: Entgegen dem (deutschen) Vorurteil sind die allermeisten Apfelkuchen in den Niederlanden drogen-frei und enthalten einfach nur das was auch in einem guten Apfelkuchen in Deutschland enthalten ist.
  • Waffeln – ähnliche wie in Belgien – mit Puderzucker oder Früchten und natürlich mit Eis.
  • Poffertjes , kleine, mundgerechte Mini-Pfannkuchen, die in der Mitte etwas dicker sind und auf speziellen Blechen im Ofen gebacken werden. Sie werden meist mit Puderzucker oder wie Appeltaart mit Vanille-Eis genossen.

    Poffertjes - eine süße Versuchung
    Poffertjes – eine süße Versuchung
  • Pfannkuchen – (Pannenkoeken) gibt es in den Niederlanden nicht nur in eigenen Pfannkuchen-Restaurants sondern praktisch auch in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen – süß genauso wie herzhaft.

Ja o.k. – Die besten Pralinen kommen natürlich aus Belgien, aber genießen kann man sie auch in Holland.

Infrastruktur und  Internet

Man mag es als Deutscher nicht gerne zugeben, aber die Niederländer haben nicht erst seit gestern in Sachen Internet-Anbindung und Technologie-Nutzung die Nase vorn. Zum einen gibt es praktisch in jedem Supermarkt oder Restaurant kostenfreies WLAN. Zum anderen ist ein 50 Mbit-Internet-Anschluss selbst in dem einen oder anderen Ferienhaus bereits vorhanden. Da sehnt sich der eigene Nachwuchs beim Surfen im Urlaub überhaupt nicht mehr nach dem heimischen Netz.

Geld und Wirtschaft

Einkaufen praktisch an allen Tagen der Woche. Das ist in Holland mittlerweile normal. Die unterschiedlichen Öffnungszeiten machen es möglich. In Holland ist es völlig normal, am Sonntagmorgen die (frischen) Brötchen im Supermarkt zu holen. Ebenso reicht es, am späten Sonntagnachmittag den Einkauf für das Abendessen zu tätigen. Der Supermarkt um die Ecke hat einfach länger auf – an Werktagen meist bis 20.00 Uhr und am Sonntag bis 18.00 Uhr.

Beim Bezahlen dann der nächste Unterschied: „Wir runden auf“ erklärt die Kassiererin. D.h. Wechselgeld beim Einkauf gibt es nur auf 5 Cent genau. Manchmal zahlt man dadurch 1 -2 Cent zu viel, ein andermal spart man dabei 2 Cent ein. In jedem Fall spart man sich in den Niederlanden seit 2004 das Gewicht der vielen ein und zwei Cent Münzen im eigenen Portemonnaie.

Sport

Nein, wir fangen nicht mit Fußball an. Vielmehr mit einer Sportart, für die Holland wie geschaffen ist – zumindest im Winter: Eisschnelllauf. Auf den im Winter meist zugefrorenen Kanälen kann man mit den langen Kufen der Schlittschuhe prima auf dem Eis skaten und so werden die Kanäle zum Trainingsplatz.

Der Eisschnelllauf wurde übrigens nicht in den Niederlanden sondern in England „geboren“. Dort wird allerdings heute kam noch geskatet. Vielmehr dominieren die Niederländer seit vielen Jahren diese olympische Disziplin.

In Holland gibt es praktisch überall Radwege
In Holland gibt es praktisch überall Radwege

Und nicht zu vergessen die Zweiräder: Das Fahrrad – genauer ein Holland-Rad. Die Niederlande haben ein bemerkenswert gut ausgebautes Netz aus Radwegen.

Sowohl innerhalb der großen Städte als auch zwischen weiter auseinander liegenden Orten kann man sich prima mit dem eigenen Fahrrad (… „fiets“ wie die Holländer sagen) fortbewegen. An Wochentagen fahren ganze Schulklassen auf den Zufahrtswegen in die Metropolen.
Am Wochenende und am späten Nachmittag sieht man oft Radrennfahrer, die meist in kleinen Gruppen auf Ihren Rennrädern trainieren.

Nur eines scheint immer gleich. Der Wind kommt für ungeübte Rad-Amateure immer von vorne.

Egal wie der Wind auch weht: Vor allem Holland (also genau genommen der westliche Teil der Niederlande) eignet sich als Urlaubsland  insbesondere für den Urlaub auf dem Fahrrad wie kaum ein anderes Land.

O.k. dann doch noch mal Fußball: Das ist sicher eine Gemeinsamkeit zwischen Niederländern und Deutschen. Die Niederländer spielen  mindestens so gerne wie die Deutschen Fußball. Nur die Frage wer besser  ist, bleibt hoffentlich auch in den nächsten 10 Jahren offen.

Umgang mit Kindern

Das mag bei mir etwas persönlich geprägt zu sein: Der Umgang der Niederländern mit Kindern (aus Sicht eines Urlaubers) ist etwas lockerer als in Deutschland. Mir persönlich erscheinen die Niederlande etwas kinderfreundlicher als ich es im etwas bürokratischeren Deutschland selbst erlebe.

Der richtig Name: Die Niederlande

Ein Hinweis zum Schluss: Der richtige Name für das Königreich der Niederlande (so der offizielle Bezeichnung) ist natürlich nicht Holland – sondern eben „Niederlande“. Holland ist vielmehr ein Teil der Niederlande – genauer gesagt zwei Provinzen (Nordholland und Südholland), der sich im Westen zwischen der Provinz Zeeland im Süden über Amsterdam bis hoch zur Nordseeinsel Texel erstreckt.

Boot in einer Gracht in Amsterdam
Boot in einer Gracht in Amsterdam

 

 

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1 KOMMENTAR

  1. Hallo Matthias,
    das ist ja mal ein interessanter Artikel, viele Details über den Niederlanden wusste ich gar nicht und dabei war ich mehrmals dort 😉 Man lernt immer dazu.
    Viele Grüße
    Maria

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